Das Grab des Tutanchamun

Howard Carter mit dem Sarkophag des Tutanchamun



Das Tal der Könige, die Begräbnisstätte der ägyptischen Pharaonen des Neuen Reiches, war ausgiebig untersucht, wie auch durchsucht worden.
Davon ging man zumindest Anfang des 20. Jahrhunderts aus. Die Hoffnung, in dieser kargen Landschaft noch einen sensationellen Fund zu machen, hatte man bereits seit einiger Zeit aufgegeben.

Der einzige, der noch immer daran glaubte, ein unentdecktes Grab finden zu können, war Howard Carter.
Er war der festen Überzeugung, dass sich das Grab eines Pharaos noch uinberührt auf seine Entdeckung wartete.
Das Grab des jungen Pharaos Tutanchamun.

Der Brite Howard Carter, der auf Umwegen zum Archäologen wurde, kam im Jahre 1890 in Ägypten an. Zu dieser Zeit begleitete er als Maler verschiedene Wissenschaftler bei ihren Forschungen an den Ruinen des alten Ägyptens.
Bei dieser Tätigkeit lernte er unter anderem auch Sir Flinders Petrie kennen, der ihn in die Techniken des Archäologie unterwies.
Außerdem brachte sich Carter das lesen von Hieroglyphen im Selbststudium bei.
In den folgenden Jahren machte er in Ägypten Karriere und wurde sogar zum Inspektor der Denkmäler Oberägyptens und Nubiens ernannt.
Als er nach einen Vorfall diese Stellung verlor, schlug er sich unter anderem als fremdenführer, Maler und sogar Antiquitätenschmuggler durch.

Im Grunde war es ein glücklicher Zufall, als Howard Carter auf den an Pferderennen interessierten Lord Carnavon traf.
Der britische Lord war zwar eigentlich wegen einer Kur nach Ägypten gekommen, die er nach einem Autounfall für nötig erachtete, doch es gelang Howard Carter, den Adligen für die Schätze des alten Ägyptens zu interessieren.

Fasziniert von den Berichten des jungen Archäologen entschloss sich Carnavon selbst eine Grabung in Angriff zu nehmen.
Damals war es wohlhabenden Leuten noch möglich, sich einfach eine Grabungsgenehmigung zu erkaufen, was Lord Carnavon dann auch tat.

Die ersten Grabungsversuche führte Cranavon alleine, nur mit einem kleinen Grabungsteam durch. Doch blieb ihm jeglicher Erfolg versagt. Kurz bevor er schon aufgeben wollte, empfahl ihm Gaston Masperos, sich mit Howard Carter zusammen zu tun. Lord Carnavon nahm diesen Vorschlag an und setzte seinen Landsmann Carter als Grabungsleiter im Tal der Könige ein.
Doch auch diese Grabungen blieben zunächste ohne Erflog und wurden zu dem noch vom Krieg unterbrochen. Auch die finanziellen Mittel des britischen Lord waren nicht unbegrenzt und so wollte Carnavon die Grabungen eigentlich einstellen lassen, da sie für ihn einen großen finanziellen Verlust darstellten.
Howard Carter suchte seinen Geldgeber und Freund in England auf, um ihn noch um eine weitere Grabungskampagne zu bitten. Nach einigen Überredungskünsten seitens Carter, genehmigte und finanzierte Carnavon noch eine weitere, die letzte Kampagne.

Während der Jahre seiner Grabungstätigkeit im Tal der Könige, hatte Carter einen Bereich immer wieder ausgelassen. In der Nähe des Grabes von Ramses IV. gab es eine Ansammlung von Arbeiterhütten, die aus Feuersteinknollen gefertigt waren.
Bei dieser letzten Grabung nahm sich Carter nun diesen Bereich vor. Nachdem man die Arbeiterhütten abgetragen hatte, stieß man bei den weiteren Arbeiten auf eine Stufe. Bereits einen Tag später, am 5.November 1922 stand fest, dass man den Eingang zu einem bis dahin noch nicht bekannten Grab entdeckt hatte.

Doch die Euphorie hielt sich noch in Grenzen. Immerhin bestand die Möglichkeit, dass es ein unbenutztes Grab war. Im alten Ägypten war es immer wieder vorgekommen, das sich Herrscher mehrere Gräber bauen ließen und daher einige der Gräber unbenutzt blieben. Außerdem bestand die weit aus größere Wahrscheinlichkeit, dass das Grab bereits vor langer Zeit von Grabräubern ausgeplündert wurde. Genausogut hätte es auch ein schlichtes Beamtengrab sein können, denn auch ihnen war es möglich, sich ein Grab im Tal der Könige anlegen zulassen, wenn sie genügend Einfluß und Geld besaßen.

Nachdem man die insgesamt zwölf Stufen freigelegt hatte, konnten sie eine Tür erkennen. Nach näheren Untersuchungen stellte man fest, dass es ein noch immer versiegelte Grab war, das das Siegel der königlichen Totenstadt trug. Daraus konnte Carter schließen, dass sich zumindest eine hochgestellte Person, wenn nicht sogar ein Mitglied der königlichen Familie in diesem Grab beigesetzt wurde.

Howard Carter wollte so schnell wie möglich einen Blick hinter die Tür werfen und trieb daher ein Loch in die versiegelte Tür. Hinter dem Eingang konnte er einen Gang erkennen, der mit Schutt und Geröll angefüllt war.
Carters Hoffnungen, dass er auf ein unberührtes Grab gestoßen war, wuchsen immer mehr. Er ließ den Grabeingang ersteinmal von seinen vertrauenswürdigsten Mitarbeitern bewachen und die Stufen wieder mit Sand bedecken, so dass man den Eingang nicht mehr erkennen konnte. Bis zur Öffnung des Grabes wollte er auf Carnavon warten.
Am 6. November 1922 schickt Howard Carter das berühmt gewordene telegramm an seinen Freund und Partner Lord Carnavon.
"Habe endlich wunderbare Entdeckung im Tal gemacht; ein großartiges Grab mit unbeschädigten Siegeln; bis zur Ihrer Ankunft wieder alles zugedeckt; Gratuliere!"
Lord Carnavon schickt ungehend ein Telegramm zurück, in dem er verspricht so schnell wie möglich nach Ägypten zu kommen. Bereits am 23.November kommt Carnavon in Luxor an und am Nachmittag des 24. Novembers ist auch der Eingang zum Grab wieder freigelegt.


Howard Carter und Lord Carnavon vor dem Eingang


Nun sind auch die Siegel des Pharao deutlich zu erkennen und ebenso, das man das Grab bereits mehrfach versiegelt hatte. Carter befürchtete, dass ihm doch Grabräuber um Jahrtausende zuvor kamen und der Eingang dann später neu versiegelt wurde.
Nach einiger Anstrengung war es gelungen die Tür zu entfernen und den dahinter liegenden Gang vom Geröll zu befreien. Und immer wieder überkommen Carter und seinem Team Zweifel, ob es sich tatsächlich um ein Pharaonengrab handelt.
Da Carter seine Arbeitsweise weitgehend von Sir Flinders Petrie erlernt hatte, ließ er den Schutt, den man aus dem Gang entfernte, durchsuchen und findet darin Scherben, mit den Namensringen verschiedener ägyptischer Herrscher. Die Architektur des Ganges erinnert ihn mehr an ein Versteck, als an die letzte Ruhestätte eines Pharaos.

Doch als man schließlich auf eine weitere Tür innerhalb des Ganges stieß, schöpfte Carter wieder neue Hoffung.
Mit einer schweren Eisenstange bohrt der Archäologe ein Loch in die obere Linke Ecke der Tür. Als er dann eine Kerze einführt um etwas zu sehen, kann er im ersten Augenblick nichts erkennen, doch bereits im nächsten Augenblick fiel sein Blick auf goldglänzenden Statuen, seltsame Tiere und überall schimmerndes Gold.
Lord Carnavon, der ungeduldig hinter Carter stand befragte den Archäologen, ob er denn nun dort eigentlich etwas sähe und bekam zur Antwort:"Ja, wunderbare Dinge".
Der Eingang wurde vergrößert, so dass auch die anderen einen Blick ins Innere des Raumes werfen konnten. Nachdem man die Schönheit der Gegenstände bewundert hatte, entdeckten sie eine weitere versiegelte Tür.

Mit Entsetzen stellt Carter fest, dass auch diese Tür mehr als nur einmal versiegelt wurde und das dies scheinbar in großer Eile geschah, denn es klafften breite Risse im Putz.
Nachdem er einige Steine heraus gebrochen hatte, warf Carter einen Blick ins Innere, konnte jedoch nichts erkennen. Er ließ weitere Steine entfernen und die Öffnung vergrößern, so das er hinein steigen konnte.
Als er in den neuen Raum kam, stand er plötzlich vor einer Wand aus Gold, die zu dem königlichen Sarkophag gehörte.
Auch Carnavon und seine ebenfalls anwesende Tochter betreten den Raum, um den Sarkophag des Pharaos zu bewundern.

Man stellte fest, dass die erste Tür des Sarkophags nicht versiegelt war. Als Carter sie öffnete, blickte er auf die Siegel der königlichen Totenstadt.
Die Mumie, des hier bestatteten Pharaos war also unangetastet geblieben.
Es war die Mumie des kindlichen Pharaos Tutanchamun.


Howard Carter am äußeren Sarkophag.


Als Howard Carter schließlich die Schreine des Sarkophags zerlegt, steht er vor einem Steinsarkophag, in dem sich die Mumie des Pharaos befindet. Nach weiteren drei Sarkophagen gelangt Carter endlich zum letzten, welcher aus purem Gold gefertigt war. Und nachdem dieser geöffnet war, blickte der britische Archäologe auf die Goldmaske des Pharaos Tutanchamun, die heute überall in der Welt bekannt ist.
Unter der Goldmaske befindet sich die unberührte Mumie des jugendlichen Pharaos.

Eine mehrere Jahre andauernde Räumung des Grabes beginnt, die von einigen Wissenschaftlern dokumentiert wurde.
Durch den Exclusivvertrag, den Carnavon und Carter mit der Londoner Times abgeschlossen hatten, zogen sie sich den Unmut anderer Journalisten zu.
Ebenso verschwinden einige der Fundstücke von der Grabung und tauchen später wieder im Metropolitan Meseum auf.
Unweigerlich kommt es zum Streit mit den ägyptischen Behörden, wobei es sich um die Aufteilung der gefundenen Schätze handelt. Der Höhepunkt dieses Streits war ein Streik von Howard Carter, der kurzerhand das Grab absperren ließ.
Zum Schluß ziehen Lord Carnavon und Howard Carter die Niete. Sie bekommen nicht ein einziges Fundstück aus dem Grab des Tutanchamun.

Als Lord Carnavon dann auch noch in Kairo an einem Mückenstich stirbt, beginnt ein regelrechter Pressezirkus um den angeblichen Fluch des Pharaos, der sich bis in unserer heutigen Zeit einer großen Beliebtheit erfreut.