Die Ballade von Rapunzel

von C.Laschinski



Rapunzel saß weinend im Garten,
denn der Hofnarr hatte sie verraten.
Sie wollte ihren Bruder beklauen,
denn der konnte sich ein eigenes Schloß bauen.
Doch dann kam ihr eine gute Idee,
sie rief nach der bösen alten Fee.
Und plötzlich stand hinter der Hecke am Teich,
ein orientalich gekleideter Scheich.
Er sah die Prinzessin und winkte ihr zu,
Rapunzel ergriff die Flucht im nu.
Der Scheich drehte sich um auf seinem Hacken,
und dachte, das Mädchen hat ganz schöne Macken.
Von der bösen Fee war er gekommen,
nun hatte sie ihm den ganzen Spaß genommen.
Dann hatte er seinen Turban neu gebunden,
und war in einer Wolke verschwunden.
Rapunzel indes war im Schloß,
und rief sofort nach dem Boss.
Der König saß mit seinen Rittern am Tisch,
und aß vergifteten Fisch.
Die Prinzessin hatte den Braten gerochen,
doch schon hatten sich alle erbrochen.
Da kam Rapunzel ein Verdacht,
das Essen hatte ihre Schwägerin gemacht.
Sie wollte den König vergiften,
und so Unruhe im Land stiften.
Dann lag der König krank in seinem Gemach,
es war für ihn eine große Schmach.
Er konnte das Land nicht regieren,
dafür began er zu frieren.
Sein Sohn war im Kopf nicht der Hellste,
und auch im Denken nicht der Schnellste.
Doch der Knabe war sein Erbe,
im Aussehen etwas derbe.
Und auch seine junge Frau,
war nicht besonders schlau.
Rapunzel fand das vergiftete Essen.
Diesen Verrat konnte sie nicht vergessen.
Sie rannte zu ihrem kranken Vater,
doch der redete grad mit dem verlogenen Pater.
Angeblich glaubte er an Gott,
doch bediente sich immer aus dem kirchlichen Pott.
Wie konnte man einem Mann vertrauen,
der keine Scham hatte, seinen Gott zu beklauen.
Plötzlich trat der Bruder zu ihr,
wütend wie ein wilder Stier.
„ Ich hörte, Du willst mich betrügen,
und jetzt noch den Vater belügen.
Bald schon bist Du eine Weise,
dann schick ich Dich auf eine Reise.
In ein fernes weites Land,
dort ist Dein Name nicht bekannt.
Da wirst Du für Deine Taten büßen,
und anderen das Leben versüßen.
Ihr Bruder rief sogleich nach der Wache,
das war nicht besonders gut für ihre Sache.
Rapunzel spürte, wie man sie schubste und stieß,
dann fiel die Tür zu, und sie saß im Verließ.
Auf dem Boden krochen Spinnen, Käfer und Ratten,
schlafen sollte sie auf verdreckten Strohmatten.
Sie setzte sich langsam auf die Stufen,
und begann nochmal nach der Fee zu rufen.
Gehüllt in einer Wolke erschien auch gleich,
abermals der orientaliche Scheich.
Rapunzel fiel in Ohnmacht, denn sie hatte sich erschreckt,
der Scheich hat sie dann mit einer Ohrfeige geweckt.
„ Prinzessin, ich bin gekommen um Euch zu retten,“
sogleich befreite er sie von ihren Ketten.
Dann verhalf er ihr zur Flucht,
und sie nahmen das Boot in der Bucht.
Sie fuhren den Fluß hinab,
manchmal war es ganz schön knapp.
Dann erreichten sie das Land hinter den Bergen,
sie fand Zuflucht bei den Zwergen.
Ihr Retter ging nicht zurück zur bösen Fee,
sattdessen sagte er ihr „ ade „ .
Dann zog er aus, der orientaliche Scheich,
und gründete irgendwo sein eigenes Reich.
Rapunzel hörte, der König war gestorben,
und auch ihr Bruder hatte sich den Magen verdorben.
Seine Frau konnte halt nicht kochen,
aber er erholte sich nach einigen Wochen.
So war der Tod des Königs kein Verbrechen,
Rapunzel mußte sich also nicht rächen.
Sie änderte ihren Namen und nannte sich Schneewitchen,
und arbeitete im hiesigen Bordell als Flitchen.
Gefesselt an Füßen und Händen,
ließ sie sich gern von den Zwergen schänden.
Und wenn sie nicht gestorben sind,
machen die Zwerge ihr noch heute jedes Jahr ein Kind.


Ende




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