Das kleine Meerschweinchen und die Sonne

Eine Geschichte von Nessa



Etwa zu der Zeit als Sonne und Mond sich noch gut gestellt waren, lebten auf der Erde viele winzige, pelzige Tierchen genannt Meerschweinchen .Natürlich leben sie noch heute, aber damals waren in solcher Zahl vorhanden ,dass man sagen konnte die ganze, große Welt sei nur mit ihnen bewohnt

Unter ihnen lebte auch ein ganz kleines, weißes Meerschweinchen namens Ebru. Ebru war das einzige überlebende Kind ihrer Familie gewesen ,und deshalb wusste niemand weshalb sie ihren Namen trug, was er bedeutete und eigentlich gehörte sie auch nirgends dazu...niemand wollte sie haben. Dazu muss man wissen ,dass alle Meerschweinchenkinder wenn sie geboren werden einen ganz besonderen Namen erhalten .Jeder von ihnen hat eine bestimmte Bedeutung. Weil aber Ebrus Mutter und Vater kurz nach ihrer Geburt gestorben waren wusste niemand mehr die Bedeutung ihres Namens. Und das war schlimm denn die anderen Kinder hänselten die arme Ebru sehr wenn sie zum spielen in den Meerschweinkindergarten kam. „Wenn du nicht weißt was dein Name, heißt so weißt du nicht wer du bist. Und wer nicht weiß wer er ist, der ist gar niemand und mit gar niemand wollen wir nicht spielen.“

Darüber war Ebru sehr traurig. Und deshalb beschloss sie eines Tages weit, weit fort zu laufen. So weit dass niemand sie finden solle und niemand mehr über sie lachen konnte. Dahin wohin sie gehen wollte, sollte niemand ihren Namen wissen, bevor sie selbst nicht die Bedeutung herausgefunden hatte. Denn wer ihn nicht wusste, konnte nicht darüber lachen .So kam es dass sie eines Tages als alle anderen Kinder im Garten des Kindergartens spielten ihren kleinen Koffer zur hand nahm und all ihre liebsten Sachen hineinlegte. Sie schloss den Deckel ,sah sich noch einmal im hause um und öffnete die Tür .Draußen war heller Tag und die Sonne schien hell vom Himmel hinab. Es schien als lächele die Sonne zu ihr hinunter. Ebru ging frisch voran in der Hoffnung dass irgend jemand auf dem Weg ihr die Bedeutung ihres Namens sagen konnte und als der Abend gekommen war, war sie schon so weit weg dass sie selbst schon nicht mehr wusste wo sie eigentlich war. Getroffen hatte sie niemanden. nur ein altes Wildschwein das schlief und eine Elster die sich bei ihrer Hausarbeit gar nicht stören lassen hatte.

Es war dunkel geworden und der Mond schien so kalt und so blass auf sie hinab, dass sie es mit der Angst bekam. Sie wusste sich nicht anders zu helfen als ihn direkt anzurufen: „Lieber Mond so sag mir doch kannst du mir sagen was mein Name heißt?“ und der Mond antwortete „Ich verstehe mich nicht so gut auf Namen. aber ich kann die einen Rat geben, mein Kind. Gehe zur Sonne wenn sie im Osten aufgeht. Sie kann die sicherlich einen Rat geben! Aber ich muss nun gehen, es wird bald hell.“

So ging Ebru dann gen Osten und wartete auf die Ankunft der Sonne am Himmel und als sie strahlend wie immer am Himmelszelt erschien, stellte Ebru ihr die gleiche frage wie sie sie in der nacht zuvor dem Mond gestellt hatte. „Bitte liebe Sonne ich heiße Ebru und die anderen Kinder verspotten mich, weil ich nicht weiß ,was mein Name heißt. Kannst du es mir nicht sagen?“ Hoffnungsvoll stellte sich das kleine Meerschweinchen auf die Hinterbeine und schaute die große Sonne an. „aber mein Kleines, weißt du es wirklich nicht? Ich will es dir sagen. Ebru ist in einer Sprache der Menschen jemand, der den Sonnenaufgang ankündigt.. Niemand außer dir trägt auf der Welt solch einen schönen Namen! Warum bist du trotzdem so unglücklich? Freust du dich nicht ,dass du nun wieder zurück zu deinen Freunden gehen kannst?“
„Ach liebe Sonne,“ antwortete Ebru, “wie kann ich zu ihnen zurück gelangen...ich habe mich so weit von Zuhause entfernt, dass ich den weg nicht mehr weiß und ausserdem will ich auch gar nicht wieder Heim. Es ist ja doch niemand da, der mich mag so wie ich bin....“Die Sonne lächelte und umarmte mit ihren warmen Strahlen das kleine Meerschweinchenkind. „Willst dann bei mir bleiben? Ich kann einen Helfer gut gebrauchen! Vor allem einen mit so einem schönen Namen! Du kannst bei mir bleiben und für immer mein Bote sein. Du darfst jeden Morgen die Welt auf den Sonnenaufgang vorbereiten. Willst du das tun?“ Und Ebru freute sich so sehr, dass sie ihn die Luft sprang und dort fing sie die Sonne auf und nahm sie mit zu sich.

Seit dem ist Ebru die Gehilfin der Sonne und wenn ihr eines Morgens mal ganz früh aufsteht, könnt ihr sie vielleicht sehen, wenn sie die Welt auf den Sonnenaufgang vorbereitet. Dann ist Himmel ganz in Gold getaucht, aber die Sonne noch nicht zu sehn...


c by Nessa 2002



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