Das Erbe der Götter

von C.Laschinski



Viktor lief aufgeregt durch das Camp. Schon vom weitem konnte man die riesige Staubwolke sehen, die sich unauf- haltsam auf die Ausgrabungsstelle zu bewegte. Die Vor- stellung, dass er mit seinen knappen vierzig Jahren, die sensationellste Entdeckung gemacht hat, seit Howard Carter das Grab von Tutanchamun fand, verursachte in seinem Magen heftige Krämpfe. Doch Viktor empfand sie eigentlich als angenehm. Erinnerten sie ihn doch daran, dass er gleich, vor den Augen der Presse, das unberührte Grab öffnen würde. Der Archäologe hielt sich die Hand vor die Augen, damit ihn die Sonne nicht blenden konnte. Die Autokarawane kam immer näher. Viktor ging noch ein mal zum Eingang des Grabes hinüber, um sich zu vergewissern, das auch alles bereit war. Alles war zu seiner Zufriedenheit vorbeireitet worden und so entschied er sich, im Versorgungszelt noch einen Kaffee zu trinken.

Die meisten der Grabungshelfer hatten sich im Versorgungszelt eingefunden, um gemeinsam darauf zu warten, bis die Grabkammer geöffnet wurde. Der einzige der fehlte, war Mitchel, ein junger amerikanischer Archäologiestudent, mit einer besonderen Vorliebe, für Hieroglyphen. Als man am Eingang der Grabkammer eine riesige Steintafel mit Inschrift gefunden hatte, durfte er zu seinen eigenen Studienzwecken eine Abschrift anfertigen. Und nun saß er in jeder freien Minute darüber und versuchte, die alten Schriftzeichen zu übersetzten. Im Gegensatz zum leitenden Archäologen dieser Ausgrabung, Dr. Viktor Thaller, war Mitchel überzeugt, dass dieser Text nicht das Leben des Pharaos beschrieb, sondern das es eher eine Art Warnung war. Doch von einem Fluch wollte Thaller nichts hören. Für ihn fiel das alles in den Bereich der Legenden. Und die Tatsache, dass auf dieser Schrifttafel eine sehr alte Form der Hieroglyphen benutzt wurde und man einige der Schriftzeichen gar nicht kannte, ignorierte der Leiter der Ausgrabung. Für Mitchel war es eine Herausforderung. Er wollte wissen, was wirklich in diesem Text stand. Mühsam übersetzte er jedes einzelne Schriftzeichen. Zuerst die, die ihm vertraut waren, für die anderen machte er Leerzeichen, um sie später einzufügen. Halblaut laß er sich den bisher übersetzten Text selbst vor:“.....versiegelt für alle Zeit.......Krankheit......die unbefugt betreten.........Seuche ereilen...“. Das war alles, was er bisher entschlüsseln konnte. Es war zwar nicht besonders viel, aber irgendwie hatte er kein gutes Gefühl bei der ganzen Sache. Und so entschloß er sich, nicht an der Graböffnung teilzunehmen. Mitchel verließ sein Zelt und ging hinüber zu seinem Mietwagen.

Die Autokarawane hatte gerade das Grabungscamp erreicht und die ersten Journalisten waren bereits ausgestiegen und schossen auch gleich einige Fotos von Viktor Thaller, umringt von einigen der ägyptischen Grabungshelfer. So etwas kam auf Fotos immer gut. Mitchel stieg in seinen Wagen, gab Gas und ließ die Großen Pyramiden von Gizeh und die dahinter liegende Ausgrabungsstelle zurück.

Die Journalisten bauten ihre Kameras auf und einige schossen Fotos, von der Ausgrabungsstelle, während der Leitende Archäologe noch einige Formalitäten mit den Beamten der ägyptischen Altertumsverwaltung erledigte. Bevor die Presse in das Grab gelassen werden sollte, wollten sie es vorher erst kurz inspizieren. Doch es gelang Viktor, sie davon zu überzeugen, dass zumindest einige ausgewählte Journalisten direkt bei der Öffnung dabei sein durften. Sein großer Augenblick war gleich gekommen. Viktors Hände fühlten sich feucht an. Seine Nerven waren zum zerreißen gespannt. Unbewusst wischte er die Hände an den Hosenbeinen ab, um sie zu trocknen. Doch ohne Erfolg, seine Nervosität war stärker.

Mit einer leichten Sprengladung, die sie ganz gezielt platziert hatten, öffneten sie den Eingang zur Grabkammer.
Abgestandene Luft, die seit Jahrtausenden niemand mehr eingeatmet hatte, ströme hinaus und hinterließ einen leicht muffig riechenden Duft. Als Viktor mit einer Taschenlampe in den nun geöffneten Raum hinein leuchtete, ging ihm durch den Kopf, dass er seit den Priestern, die das Grab einst versiegelt hatten, der erste Mensch war, der wieder einen Blick hinein geworfen hatte und das er gleich der erste war, der die Grabkammer betreten würde.

Den Anwesenden stockte vor Überwältigung der Atem.
Der Lichtstrahl fiel auf einen langen, hohen Raum, dessen Ende man nicht gleich erkennen konnte. Das einzige, was sofort zu erkennen war, waren die riesigen Sarkopharge, die den Raum füllten. Kurz geblendet, von dem Blitzlichtgewitter, das die Fotographen verursachten, betrat Viktor den Raum, den er bis vor ein paar Minuten noch für die Grabkammer eines Pharaos gehalten hatte.
Der Raum wirkte eher, wie eine Halle und der Archäologe schätzte sie auf gute 50 Meter in der Länge und etwa 20 Meter in der Breite. Doch die Ausmaße der Sarkophage überwältigten ihn. Sie waren annähernd 6 Meter hoch und bestimmt gute 8 Meter lang. Viktor leuchtete die Außenwand eines Sarkophargs ab und entdeckte knapp in der Mitte eine Inschrift. Es war eine Kartusche, wie sie auch bei Königsnamen verwendet wurde. Thaller fragte sich, ob in diesen gewaltigen Sarkophagen wirklich die Mumien von Königen liegen würden, oder was man sonst hier bestattet hat.
Nach dem man den Raum kurz besichtigt hatte und von der Presse die ersten Fotos geschossen wurden, musste man die Öffnung des ersten Sarkophags auf den übernächsten Tag verschieben, da man nicht nicht solchen Ausmaßen gerechnet hatte und nun erst das geeignete Werkzeug aus Kairo herbeigebracht werden musste. Viktor blieb noch einige Zeit länger in der Grabkammer. Er wollte den Eindruck auf sich wirken lassen. Ehrfürchtig sah er sich um und wieder fiel sein Blick auf die Kartusche. Er richtete den Stahl seiner Taschenlampe auf die Schriftzeichen. Obwohl er mit Hieroglyphen recht gut vertraut war, musste er feststellen, dass er keines der Zeichen einordnen konnte. Und so schaltete er die Taschenlampe wieder aus und verließ ebenfalls das Grab.
Die zwei Beamten, die von der ägyptischen Regierung abgestellt waren, um den Eingang vor möglichen ungebetenen Gästen zu bewachen, nickten dem Archäologen kurz zu, als er heraus kam und hinüber zu seinem Zelt ging.

Mitchel hatte sich in Kairo, in einer Bibliothek noch einige Fachliteratur besorgt und war danach, zu einem Freund gefahren. Khalid arbeitete wie er als Grabungshelfer, jedoch bei einer anderen Ausgrabung. Die zwei jungen Männer kannten sich aus der Zeit, als Khalid drei Semester Archäologie in den USA studiert hatte, bevor er zurück nach Ägypten gegangen war. Gemeinsam saßen sie über die Abschrift der Steintafel, die Mitchel mitgebracht hatte. Auch Khalid waren die meisten der Hieroglyphen unbekannt und er vermutete, dass sie aus einem sehr frühen Stadium der ägyptischen Schriftentwicklung stammen müssten. Der junge Ägypter nahm eines der Bücher, die Mitchel mitgebracht hatte, blätterte eine Weile darin, bevor er bei einer Seite anhielt. „Schau Dir das einmal an“, sagte er in akzentfreiem englisch. Die Schriftzeichen, auf die er im Buch zeigte, hatten große Ähnlichkeit, mit den Hieroglyphen, die auf der Schrifttafel eingraviert waren. „Was schreiben sie darüber?“ fragte der Amerikaner. „Das diese Hieroglyphen bisher noch nicht übersetzt werden konnten. Sie scheinen zwar den gleichen Stamm, wie die später verwendeten Schriftzeichen zu haben, doch trotzdem war eine Übersetzung bisher noch nicht möglich.“ Khalid sah nicht vom Buch auf. Mitchel ließ sich in seinem Stuhl zurück fallen. Er war enttäuscht. Die Chance, dass sie es schaffen könnten, den Text der Schrifttafel zu übersetzen, war gleich null. „Gibst Du immer so schnell auf?“ wollte Khalid wissen und sah seinen Freund dabei lächelnd an. “Nein, normalerweise nicht“, gab dieser ebenfalls lächelnd zurück. „Aber die Chance, das gerade wir diese Schrift enträtseln werden, ist recht gering, meinst Du nicht ?“ Der Ägypter antwortete ihm nicht darauf. Mit einem geheimnisvollen Blick, ging er zum Telefon, wählte eine Nummer und sprach einige Minuten in seiner Muttersprache, mit der Person am anderen Ende des Telefonanschlußes.

Man hatte eine notdürftige Stromversorgung in der Grabkammer installiert und so wurde der Raum nun von einigen Neonstrahlern beleuchtet. Viktor Thaller gab seinem Team noch einige Anweisungen, bevor man damit begann, den tonnenschweren Sarkophagdeckel zu heben. Die Journalisten, die ausgesucht waren, bei der Öffnung des Sarkophags dabei zu sein, bauten noch ihre Kameras auf und jeder versuchte den Besten Blick auf die Szene zu bekommen. Auch einige Mitarbeiter der ägyptischen Altertumsverwaltung waren anwesend, um sicher zustellen, dass keine Fundstücke beiseite und außer Landes geschafft wurden.
Das Archäologenteam stand auf einem Gerüst, das an den Seiten des Sarkophags aufgestellt war. Vorsichtig wurden die Seilwinden des Flaschenzugs betätigt. Die Seile spannten sich, doch der Deckel hob sich keinen Millimeter. Viktor überprüfte noch einmal alles und entdeckte, dass der Sarkophagdeckel mit Bolzen gesichert war. Nach einiger Zeit, hatte das Team die Bolzen soweit gelockert, das man einen neuen Versuch starten konnte. Wieder spannten sich die Seile und nun hob sich der schwere Deckel, aus massivem Gestein. Zuerst nur wenige Millimeter, doch je mehr sich die Seile strafften, umso weiter öffnete sich der Sarkophag.
Viktor war angespannt. Obwohl es in der Kammer erstaunlich kühl war, schwitzten seine Hände. Noch ein paar Sekunden und der schwere Steindeckel war gehoben und wurde so verankert, das er einen knappen halben Meter über dem Sarkophag schwebte. Der Archäologe nahm seine Taschenlampe und leuchtete hinein. Der Anblick, der sich ihm bot, war mehr als enttäuschend gewesen. Keine Mumie lag in dem Sarkophag. Weder die eines Pharaos noch die eines mumifizierten Tieres, lag darin. Nur eine schwarze Masse füllte den Sarkophag bis knapp an den Rand. Auf den ersten Blick, konnte Viktor nicht sagen, worum es sich dabei handelte. Er nahm eine kleine Probe, die er mit einem Spachtel vorsichtig abgeschabt hatte und anschließend in einer kleinen Plastiktüte verstaute. Aber nicht nur Viktor war enttäuscht. Auch die Presse war wenig begeistert. Man schoss einige Fotos und verließ die Grabkammer dann recht schnell wieder.
Der Fund von mit Schutt gefüllten Särgen, war keine Sensation und die Journalisten verloren sofort ihr Interesse an der Ausgrabung. Und bereits eine Stunde später, war die Autokarawane wieder auf dem Weg nach Kairo und ließ die nun fast ausgestorben wirkende Ausgrabungsstelle hinter sich zurück. Viktor war abermals auf das Gerüst geklettert und betrachtete die Masse, die sich in dem immer noch offenen Sarkophag befand. Enttäuscht schüttelte er den Kopf. Er war so kurz davor gewesen, einen bedeutenden Fund zu machen und nun waren alle seine Hoffnungen in diesem Schutthaufen begraben, der Anstelle einer Mumie im Sarkophag lag. Die Probe die er genommen hatte, wollte er gleich am nächsten Tag in ein Labor in Kairo zur Untersuchung schicken. Wenn er schon keinen Pharao gefunden hatte, so wollte er doch wenigstens wissen woraus die Masse bestand, die man hier so sorgfältig aufbewahrt hatte.

Mitchel und Khalid waren mit dem Wagen ins Landesinnere gefahren. In einem kleinen Dorf, nicht weit vom Tal der Könige entfernt, saßen sie in einem der aus Lehmziegeln erbauten Hütten. Ihr Gastgeber war ein alter Mann, der die landesübliche Kleidung trug. Er schenkte ihnen einen stark gezuckerten Tee ein. Während Khalid dem Mann, der angeblich einer alten Grabräuberfamilie entstammte, die Abschrift der Steintafel zeigte, kostete Mitchel den Tee. Er schmeckte angenehm und seiner, vom Wüstensand, ausgetrockneten Kehle, ging es gleich viel besser. Der Ägypter, dessen Name Mitchel nicht richtig verstanden hatte, saß über die Abschrift gebeugt. Immer wieder schüttelte er ungläubig den Kopf und gelegentlich schien er Khalid einige der Schriftzeichen zu übersetzen. „Was sagt er“, wollte der junge Amerikaner wissen. „Augenblick noch, ich übersetze es Dir gleich“, antwortete Khalid, ohne seinen Freund dabei anzusehen.

Es war bereits einige Tage her, seit Viktor die größte Enttäuschung seines Lebens erlebt hatte. Er fühlte sich nicht besonders wohl. Starke Kopfschmerzen, die sich anfühlten, als würde sein Schädel jeden Moment zerspringen, quälten ihn seit Tagen. Aber auch einige Mitarbeiter seines Teams, klagten ebenfalls über starke Kopfschmerzen.
Der Archäologe hatte jeden Tag in der großen Halle, mit den Sarkophagen gearbeitet. Inzwischen hatte man sie alle geöffnet und hatte feststellen müssen, dass jeder dieser riesigen Sarkophage mit der gleichen, schwarzen Masse gefüllt war. Viktor beschäftigte sich inzwischen, mit der Kartusche, die an jedem der Sarkophage eingraviert war. Was ihn dabei am meisten überraschte, war die Tatsache, dass es immer die selbe Kartusche war. Der Archäologe vermutete, dass es vielleicht eine Art Angabe, für den seltsamen Inhalt der riesigen Sarkophage war. Aber im Grunde glaubte er nicht daran. Die Schriftzeichen waren eindeutig Hieroglyphen, doch entstammten sie aus einer sehr frühen Periode und bisher war es ihm einfach nicht gelungen, sie zu übersetzen. Genauso, wie die große Schrifttafel am Eingang. Doch im Augenblick konnte Viktor sich nicht konzentrieren. Seine Kopfschmerzen wurden noch schlimmer, obwohl er das nicht mehr für möglich gehalten hätte. Er brauchte dringend frische Luft und so verließ er die Grabkammer. Als er nach draußen kam, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass das ägyptische Militär angerückt war. Es handelte sich zwar nur um zwei Wagen, aber diese hatten ungefähr an die 20 Soldaten auf die Ausgrabungsstelle gebracht. „Sind sie Dr. Thaller ?“ fragte der Befehlshaber, der Einheit, in einem akzentfreien englisch. Der Archäologe nickte etwas verwirrt. „Ja. Was ist denn los.“ Die Kopfschmerzen verhinderten, dass Viktor einen klaren Gedanken fassen konnte. „Wir müssen die Ausgrabungsstelle absperren. Sie und Ihr Team müssen wir bitten, vorläufig das Camp nicht zu verlassen.“ Noch während der Befehlshaber sprach, begannen bereits einige Soldaten, das Camp mit einem Plastikband provisorisch abzusperren.
Viktor verstand nicht, was gerade um ihn herum passierte. Er hatte keine Erklärung, weder für das aufgeregte Grabungsteam, das mehr Informationen von ihm wollte, noch für sich selbst.

Mitchel und Khalid saßen in Khalid’s kleiner Wohnung. Seit es ihnen durch die Hilfe, des alten Ägypters gelungen war, Teile der Schrifttafel zu übersetzen, hatte sich Mitchel entschieden, vorläufig nicht zurück zur Grabungsstelle zu fahren. Und als er jetzt noch las, das man die Ausgrabungsstelle und einige Teile des Gizeh Plateaus für Besucher gesperrt hatte, war er sehr froh, über seine Entscheidung. Während Khalid eine neue Kanne Tee kochte, saß Mitchel wieder vor der Übersetzung, des alten Textes. „Ich wünschte, es würde uns gelingen, den ganzen Text zu übersetzen.“ Er sprach mehr zu sich selbst, als zu seinem Freund. Leise las er den bisher übersetzten Text vor:“......versiegelt für alle Zeit, zum Schutze des Volkes......schwere Krankheiten, mit schrecklichen Aus- wirkungen haben sich dadurch schon verbreitet.....die, die unbefugt diese Halle betreten, werde die Seuche ebenfalls ereilen.......der strahlende Tod wird in sie dringen......niemals sollen sie wieder geöffnet werden.... niemals soll es wieder genutzt werden......bis in alle Ewigkeit strahlen sie.......“ Khalid hatte sich inzwischen auch an den Tisch gesetzt und seinem Freund aufmerksam zu gehört. „Strahlender Tod ?“ fragte er. Mitchel zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht, was das bedeutet. Vielleicht sollten wir doch mal zur Ausgrabungsstelle fahren. Ich gehöre schließlich zum Grabungsteam, vielleicht lassen sie mich ja doch ins abgesperrte Gebiet.“ Er klang wenig überzeugt. Wenn man so ein großes Gebiet mitten in der größten Touristenattraktion von ganz Ägypten abgesperrt hatte, dann gab es dafür sicher auch einen triftigen Grund.

Auf dem Weg zum Gizeh Plateau begegneten Mitchel und Khalid verschiedenen Militärfahrzeugen, die sich alle in die selbe Richtung, wie sie selbst bewegten. Doch noch bevor sie das Plateau erreicht hatten, wurden sie von einer Militärkontrolle aufgehalten und nach ihren Papieren gefragt. Mitchel versuchte dem Soldaten zu erklären, das er zum Grabungsteam gehörte und zurück zur Ausgrabung wollte. Der junge ägyptische Soldat lächelte ihn freundlich an und sagte im gebrochenen englisch:“ Seinen froh, Sie nicht auf Ausgrabung gewesen. Alle in Quarantäne.“ Khalid und Mitchel sahen sich erstaunt an. “Wissen Sie was da passiert ist ?“ fragte Khalid seinen Landsmann. Doch der Soldat schüttelte nur den Kopf. „Tut mir leid. Ich darf keine Auskunft geben.“ Sagte er in seiner Muttersprache. Als die beiden Freunde den Wagen wendeten, kam ihnen ein Wagen der Seuchenbekämpfung entgegen. Sie konnten erkennen, das die darin befindlichen Personen mit Strahlen-schutzanzügen bekleidet waren. Sie warteten, bis das Fahrzeug an ihnen vorüber gefahren war und fuhren die Straße zurück, die sie gekommen waren. Als sie aus der Sichtweite, des Militärpostens waren, lenkte Khalid den Wagen von der Straße und hielt ihn im Wüstensand an. „Hast Du das auch gesehen ?“ fragte er seinen Beifahrer. Mitchel nickte. „Ja. Die haben Strahlenschutzanzüge getragen, oder ?“ Die beiden Männer waren etwas verwirrt.
“Jetzt ergibt der Text einen ganz anderen Sinn“, Mitchels Stimme klang aufgeregt. Und auch Khalid hatte begriffen, was wirklich auf der Ausgrabungsstelle los war.

Viktor Thaller lag auf dem Feldbett in seinem Zelt. Er fühlte sich müde und vollkommen schlapp. Kaum noch fähig, sich von seinem Bett zu erheben. Auf seiner Haut hatten sich blasen gebildet, die nun auch noch anfingen zu eitern.
Aber nicht nur dem Archäologen ging es so. Auch sein Grabungsteam, das die letzten Tage mit ihm intensiv in der vermeintlichen Grabkammer gearbeitet hatte, zeigte die gleichen Symptome.
Die Zeltplane wurde ein kleines Stück zur Seite geschoben. Ein Mann, im gelben Strahlenanzug, betrat das Zelt des kranken Archäologen. „Dr. Thaller, ich habe hier einen Brief für Sie.“ Er sprach in einem sehr ruhigen Tonfall, der jedoch durch das Sauerstoffgerät, des Schutzanzuges unnatürlich klang. Viktor richtete sich leicht auf und man konnte sehen, das es ihn große Mühe kostete. Der Mann kam ihm ein Stück entgegen und überreichte ihm den Brief. „Was ist hier eigentlich los ?“ fragte Thaller, schwer atmend. „Warum tragen Sie alle Schutzanzüge und was passiert mit mir und meinem Team ?“ Die Stimme des Archäologen klang schwach und der Mann musste sich anstrengen, um ihn überhaupt zu verstehen. „Ich kann Ihnen leider nicht sehr viel sagen, Dr. Thaller. Ich habe meine Anweisungen. Aber morgen werden einige Spezialisten kommen, die Sie und die anderen behandeln werden.“ Der Mann nickte Viktor noch einmal aufmunternd zu und verließ das Zelt dann wieder.

Viktor versuchte sich hinzusetzen und nach einigen Augenblicken gelang es ihm auch. Mit dem Stiel eines Löffels, der auf dem kleinen Tischen, neben ihm lag, öffnete er den Brief. Der Absender verriet, dass er von dem Institut war, das die Probe aus dem Sarkophag untersucht hatte. Mit zittrigen Händen, nahm er den Brief aus dem Umschlag. Thaller versuchte die Zeilen zulesen, doch immer wieder verschwammen sie vor seinen Augen. Für ein paar Minuten schloss Viktor die Augen und versuchte sich zu konzentrieren. Was ihm in den letzten Tagen immer schwerer gefallen war. Als er die Augen wieder öffnete, versuchte er nochmals den Brief zu lesen. Noch immer schwammen die Buchstaben etwas vor seinen Augen, doch war es ihm jetzt möglich, den Inhalt des Briefes zu erkennen.

Sehr geehrter Dr. Thaller
Die Probe, die Sie uns zur Untersuchung zugeschickt haben, wurde in unserem Institut eingehend untersucht.
Die Probe wies eine erstaunlich hohe Konzentration von Radioaktivität auf.
Das Material konnte trotz ausführlicher Tests nicht identifiziert werden.
Jedoch wird vermutet, das es sich dabei um Abfallprodukte einer atomaren Nutzung, handeln könnte.
Nähere Angaben dazu können wir zu diesem Zeitpunkt leider nicht machen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bekir Rabatta

Der Archäologe starrte auf das Papier. Er konnte einfach nicht glauben, was er da eben gelesen hatte. Hohe Radioaktivität ! Das bedeutete, seine Krankheit wäre die Folge einer Verstrahlung gewesen. Aber in so kurzer Zeit ? Es musste eine enorm hohe Strahlung herrschen, realisierte Viktor. Doch um zu überlegen, was er tun könnte, fehlte ihm einfach die Kraft. Er sank zurück auf sein Bett, und schlief fast sofort wieder ein. Der Brief glitt ihm aus der Hand und landete auf dem Boden, neben seinem Feldbett.

Mitchel und Khalid waren wieder in der Wohnung des Ägypters. Noch immer konnten sie nicht glauben, was sie dort in der Nähe der Ausgrabungsstelle gesehen hatten. Abermals nahmen sie die Abschrift der Schrifttafel heraus.
“Irgendwie ergibt das mit dem strahlenden Tod jetzt einen ganz anderen Sinn,“ bemerkte Mitchel. Khalid schaute zwar auf die Abschrift, nahm sie aber nicht wirklich wahr. Sein Blick ging ins leere. „Kannten die alten Pharaonen etwa wirklich schon die Radioaktivität ?“ murmelte er leise. Mitchel sah seinen Freund an und zuckte mit den Schultern. „So wie es aussieht schon.“ Beantwortete er die Frage, die Khalid eigentlich nicht direkt an ihn gestellt hatte. „Wir müssten in die Grabkammer kommen, um zu sehen, was sie dort wirklich gefunden haben.“ In Mitchel war die Aberteuerlust durchgebrochen. Kahlid sah den Amerikaner erstaunt an.
“Du willst in die Grabkammer ? Du hast doch gesehen, dass alles abgesperrt ist, wie willst Du da rein kommen ?“ „Wir müssten uns ebenfalls Strahlenschutzanzüge besorgen und uns irgendwie auf einen der Militärwagen schmuggeln.“ Mitchel wollte unbedingt heraus finden, was auf der Ausgrabungsstelle passiert war. Der Ägypter sah seinen Freund immer ungläubiger an. „Willst Du jetzt einen auf Indiana Jones machen ?“ fragte er leicht spöttelnd. Doch Mitchel lächelte ihn nur viel sagend an und war sich sicher, dass auch in Khalid die Neugier zu groß geworden war, um nun einen Rückzieher zu machen.

Es hatte einige Tage gedauert, aber es war den beiden Freunden tatsächlich gelungen, an Strahlenschutzanzüge der Armee zukommen. Und durch einen Cousin von Khalid waren sie sogar unbemerkt auf einen Transporter gelangt, der direkt ins Ausgrabungsgebiet fuhr.
Diesmal kamen sie ohne Kontrolle oder anderer Probleme ins Camp. Mitchel stelle fest, das es sich vollkommen verändert hatte, seit er das letzte mal hier war. Das ganze Gebiet war abgesperrt, überall befanden sich Militärposten.
Den Eingang zur Grabkammer, konnte er nicht mehr sehen. Er war mit einer Art Plane, die von einem Gerüst herabhing, verdeckt. Unbemerkt, entfernten sich die Zwei von den anderen und versuchten, sich so unauffällig wie möglich zu bewegen. „Wo wollen wir als erstes hin ?“fragte Khalid und man konnte spüren, das er sich in seiner Haut nicht besonders wohl fühlte. „Wir sollten zu Dr. Thaller gehen. Ich denke mal, er wird sicher wissen, was hier los ist.“ Mitchel wusste genau wo das Zelt des Grabungsleiters war und so gingen sie hinüber zum Zeltlager.
Kurz bevor sie am ersten Zelt angekommen waren, kamen ihnen zwei andere Männer, ebenfalls in Schutzanzüge gekleidet entgegen. Auf einer Trage, beförderten sie eine junge Frau. Mitchel erkannte sie sofort. Es war eine der französischen Studentinnen, die wie er als Grabungshelfer hier gearbeitet hatte. Die leblosen Augen sagten ihm, dass sie nicht mehr am Leben war. Er bemerkte auch, das ihre Haut von Blasen übersät war. Mitchel musste sich abwenden. Die Beiden anderen Männer nickten ihnen kurz zu. Scheinbar glaubten sie, das auch Khalid und Mitchel jemanden abholen sollten und beachteten sie daher nicht weiter. Langsam gingen sie auf das Zelt des Archäologen zu. Als sie angekommen waren, sahen sie sich noch einmal kurz um und betraten dann schnell das Zelt. Dr. Thaller lag auf seinem Feldbett und schien zu schlafen. Mitchel bemerkte auch an ihm die Beulen. „Sie scheinen alle eine Überdosis Radioaktivität abbekommen zu haben.“ Sagte Khalid, dem die Symptome ebenfalls nicht entgangen waren. „Muß aber eine verdammt hohe Dosis gewesen sein, dass sich das so schnell entwickelt hat. Fast wie bei einer Atomexplosion.“ Mitchel wusste nicht, was er von dem allen halten sollte. „Sollen wir Dr. Thaller aufwecken ?“ fragte Khalid. „Ich bin nicht sicher, aber es ist wahrscheinlich das Beste.“ Antwortete Mitchel. Er ging langsam hinüber zum Feldbett des Archäologen und wollte sich gerade zu ihm hinunter beugen, als ihm etwas auf dem Boden auffiel. Es war ein Brief. Mitchel hob ihn auf und wollte eigentlich nur flüchtig draufschauen. Doch dann las er ihn doch und war mehr als erstaunt. Auch Khalid war näher gekommen und schaute ebenfalls in den Brief. Beide sahen sich nach dem lesen ungläubig an. Nach einem kurzen Moment, in dem sie das gelesene zu begreifen versuchten, entschlossen sie sich, Dr. Thaller aufzuwecken. Mitchel berührte ihn an der Schulter, darauf bedacht, nicht an den eitrigen Ausschlag zu kommen, um dem Archäologen nicht noch zusätzliche Schmerzen zu bereiten. Doch Viktor Thaller rührte sich nicht.
Mitchel versuchte es noch einmal. Aber wieder ohne eine Reaktion des Grabungsleiters. Khalid hatte einen Blick aus dem Zelt geworfen und bemerkte, dass sich abermals zwei Männer in Schutzanzügen dem Zelt näherten. Er gab seinem Freund ein kurzes Zeichen und ohne das sie mit dem Archäologen reden konnten, verließen sie das Zelt wieder. In der Hoffnung, dass sie nicht bemerkt wurden, entfernten sie sich langsam und möglichst unauffällig vom Zelt des Archäologen.
Um nicht aufzufallen, versteckten sie sich hinter dem Versorgungszelt, das jetzt leer war. Mitchel hatte sich dort während seiner Grabungspausen oft aufgehalten um etwas Ruhe zu haben und hoffte deswegen, dass man sie hier nicht finden würde.

Inzwischen war der Abend angebrochen. Die Sonne verschwand langsam am Horizont und tauchte die Grabungsstelle in die verschiedensten rot Töne. Es war ein atemberaubender Anblick, wie Mitchel fand. Wäre nur die ganze Situation nicht so gespenstisch gewesen. Plötzlich gingen auf dem gesamten Gelände große Flutlichter an und tauchten das Gebiet in ein helles, unwirkliches Neonlicht. Für einen Moment waren die Freunde wie geblendet. „Jetzt dürfte es wesentlich schwerer werden, hier wieder unbemerkt rauszukommen,“ bemerkte Khalid angespannt. Auch Mitchel fühlte sich nicht mehr sehr wohl in seiner Haut.

Das grelle Licht, machte es fast unmöglich, sich unauffällig über das Gelände zu bewegen. Vorsichtig wagten sie sich ein Stückchen vor das Zelt, immer darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden. Mitchel bemerkte, das eine kleinere Gruppe von Leuten, ebenfalls mit Strahlenschutzanzügen, aus der Grabkammer kamen, deren Eingang noch immer von der Plane verdeckt wurde. Er machte Khalid darauf aufmerksam und sie beobachteten die Szene. Es schien, als würden sie eine heftige Meinungsverschiedenheit haben. Eine der Personen fuchtelte wild mit den Armen und zeigte immer wieder in Richtung der Pyramiden und über das gesamte Grabungsgelände. Während die anderen offensichtlich eine verneinende Geste machten. Aus ihrem Versteck konnten die Freunde jedoch nicht verstehen, worüber sich die Gruppe unterhielt. Als sie sich langsam, aber immer noch in ihrer Diskussion vertieft, von dem Eingang entfernten, sah Mitchel seine einmalige Chance.
Er wollte unbedingt in die Grabkammer, um mit eigenen Augen zu sehen, was sich dort wirklich befand. Khalid war von der Idee nicht besonders begeistert, doch war es inzwischen zu spät, um noch einen Rückzieher zu machen.
Ganz vorsichtig kamen sie aus ihrem Versteck. Sie vergewisserten sich, das sie nicht beobachtet wurden und versuchten möglichst unauffällig in Richtung der Plane zu gelangen. Durch ihre Schutzanzüge, waren sie zumindest nicht von den anderen, die noch auf dem Gelände ihren Arbeiten nachkamen, nicht zu unterscheiden. Als sie an der Plane angekommen waren, schauten sie sich kurz um und verschwanden dann kurz entschlossen hinter ihr.

Als sie die angebliche Grabkammer betreten hatten, vergewisserten sie sich, dass sich außer ihnen niemand weiter dort befand. Und sie waren erleichtert, als sie feststellten, dass sie wirklich alleine waren. Der Raum war ebenfalls gut beleuchtet und so erblickte Mitchel zum ersten Mal, die riesigen Sarkophage. Khalid fehlten ebenso wie dem Amerikaner die Worte. Völlig überwältigt von dem Anblick, schauten sie an den riesigen Sarkophagen hoch und auch sie bemerkten die Kartusche, die sich am Kopfende eines jeden Sarkophags befanden. Mitchel fiel ein Zeichen auf, das er auch einige male in der Kopie der Schrifttafel gesehen hatte. Es war ein Symbol, das eine dreiblättrige Blüte zu zeigen schien. Schon im Text war ihm dieses Zeichen aufgefallen und an irgendetwas hatte es ihn erinnert, doch konnte er damals noch nicht sagen woran. Doch in diesem Augenblick wusste er plötzlich, voran es ihn die ganze Zeit erinnert hatte. An das Zeichen für Radioaktivität, das man heute als Warnsymbol verwendete.
Sicher, es sah anders aus, doch er wusste in seinem Innersten ganz genau, das dieses Zeichen das selbe bedeutete. Und das die Kartusche keinen Namen, sondern eine Warnung enthielt. Auch Khalid war zu der gleichen Überzeugung gekommen. Vorsichtig stieg er eines der Gerüste hinauf, was sich in seinem Schutzanzug als nicht so einfach erwies. Als er oben angekommen war, ah er genau das gleiche, dass auch Viktor Thaller beim öffnen des Sarkophags gesehen hatte. Eine nicht zu identifizierende schwarze Masse, die im Laufe der Zeit scheinbar fest geworden war. Auch Mitchel war nach oben gekommen und sah nun zusammen mit seinem Freund in den Sarkophag hinein. Beide bemerkten nicht, dass inzwischen wieder eine Gruppe von Leuten in Schutzanzügen die Grabkammer betreten hatte. Allerdings bemerkten diese, die zwei Männer auf dem Gerüst.
„Hey, was machen Sie da oben ?“ rief einer von ihnen zu den zwei Freunden, in Khalids Landessprache, hinauf.
Mitchel und Khalid fuhren erschrocken zusammen. Man hatte die beiden Eindringlinge dem Befehlshabenden Offizier übergeben und dieser brachte sie in ein anderes Zelt, in dem sich einige, scheinbar wichtige Leute befanden. Sie alle waren mit Schutzanzügen bekleidet. Man hatte den Beiden eine Menge Fragen gestellt und sie versuchten, sie so wahrheitsgemäß, wie möglich zu beantworten. Da Mitchel zum eigentlichen Grabungsteam gehörte, schien man ihnen zu glauben, ließ jedoch auch keinen Zweifel daran, dass es Folgen nach sich ziehen würde.
„Was genau ist das eigentlich und wie kommt es hierher ?“ fragte Mitchel einen der Männer. Dieser lächelte ihn vielsagend an. „Können sie es sich nicht denken ? Ich dachte, Sie haben den Text übersetzt“, bei diesen Worten, sah er Mitchel fest in die Augen. Der Amerikaner nickte. „Ja, aber nicht den gesamten Text, leider.“ „Nun, dann werde ich es ihnen erklären, aber wenn sie glauben, damit an die Öffentlichkeit gehen zu können, dann liegen Sie falsch, dafür werden wir schon sorgen.“ Der Mann ließ keinen Zweifel daran, dass er es ernst meinte. „Wir haben hier etwas gefunden, das die Geschichtsschreibung vollkommen revolutionieren würde, wenn man es erfahren würde.“ Mitchel und Khalid sahen den Mann ungläubig und erstaunt zugleich an. „Es sind die Abfallprodukte, einer atomaren Nutzung, die lange Zeit, vor der ersten Dynastie ägyptischer Pharaonen, statt fand. Aus dem Text geht hervor, dass die Leute, die später zu den ägyptischen Göttern wurden, hier ihren Atommüll deponierten und hofften, das er nie wieder zu einer Gefahr werden würde.“ „So wie wir es mit unserem Atommüll heute tun !“ Bemerkte Mitchel entsetzt.





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