Blut für die Sonne

von C.Laschinski



Juan suchte die nähere Umgebung nach weiteren Spuren antiker Bauwerke ab, während seine Kollegen vom Deutschen Archäologischen Institut bereits dabei waren die erste Ruine freizulegen. Vor etwas über einem Jahr hatte ein Hobbyflieger eine bisher unbekannte Ruinenanlage ganz in der Nähe der aztekischen Ruinenstadt Teotihuacan entdeckt. Seit einem knappen halben Jahr war endlich ein Archäologen Team vor Ort und begann mit der systematischen Untersuchung der Ausgrabungsstelle. Juan, hatte sich freiwillig gemeldet um sich durch den unwegsamen Urwald zu kämpfen und dort nach weiteren Gebäuden, Stelen oder anderen Hinweisen auf die Überreste der untergegangenen Anlage zu suchen.
Obwohl er schon sehr früh mit seinen Eltern nach Deutschland gezogen war, verband ihn doch ein sehr starkes Band mit seiner mexikanischen Heimat und dies war auch einer der Gründe, warum er sich für ein Archäologie Studium entschieden hatte. Auf diese Weise konnte er selbst an der Erforschung der Geschichte seiner Heimat teilnehmen und als man ihm dann noch ein Grabungspraktikum ganz in der Nähe von Teotihuacan angeboten hatte, musste er nicht erst überlegen, sondern hatte sofort zugesagt.

Für einen Moment blieb Juan stehen, zog ein verschmutztes Taschentuch aus der Hosentasche und wischte sich die schweißnasse Stirn ab, danach nahm er die Wasserflasche, die an seinem Gürtel befestigt war und trank einen kräftigen Schluck des inzwischen warm gewordenen Wasser. Die feuchte Hitze machte Juan mehr zu schaffen, als er erwartet hatte. „Scheinbar bekommt mir das europäische Klima doch besser“, sagte er laut zu sich selbst, nahm noch einen Schluck aus der Wasserflasche und ging dann weiter.
Juan war schon über drei Stunden unterwegs, als er vor sich ein steinernes Gebilde hinter einigen Sträuchern entdeckte. Vorsichtig drückte er die Zweige auseinander und kroch auf allen Vieren weiter. Als er nach knapp zwei Metern seinen Kopf hob, schaute er direkt in eine versteinerte Fratze. Große, mit dicken Ringen umrandete Augen starrten ihn an und aus dem Maul dieser furchterregenden Fratze ragten fast armgroße Hauerzähne heraus. Im ersten Moment blieb ihm etwas die Luft weg, doch dann fing er lauthals an zu lachen. „Oh Mann, Tlaloc, es ist Tlaloc ….. ich glaub es nicht, ich habe etwas gefunden.“ Juan musste seine Freude einfach herausschreien, obwohl er wusste, dass ihn hier im Dschungel niemand hören konnte. Das furchterregende, versteinerte Gesicht zeigte den aztekischen Regengott Tlaloc und Juan war sich ganz sicher, dass dies nicht nur einfach eine Statue des Regengottes war. Vorsichtig tastete er den Stein ab um so herauszufinden, wo das Abbild Tlalocs endete. Um besser heranzukommen, musste Juan einen weiteren Strauch wegdrücken. Der Stamm des Strauches war etwas widerspenstig und Juan stemmte sich mit dem Fuß fest gegen das Steingesicht. Plötzlich spürte der junge Mann, wie etwas nachgab und er war sich ganz sicher, dass es nicht der Strauch war.

„Andrea, kommst Du mal rüber, ich glaube ich habe hier etwas!“ Einer der Studenten, die als Grabungshelfer an dieser Kampagne teilnahmen schaute mit einem breiten Grinsen aus einer der zahlreichen Gruben, die jeweils sorgfältig nach Scherben, oder anderen Artefakten durchsucht wurden. Andrea gehörte zum Team der Archäologen, die diese Grabung leiteten. Im Gegensatz zu ihren Kollegen war es für sie die erste Leitung einer Grabung und da sie gerade erst knapp dreißig war, hatte sie am Anfang etwas Probleme sich bei ihren älteren Kollegen durchzusetzen, aber durch ihr Selbstbewusstsein und vor allem durch ihre Leistung wurde sie schon nach kurzer Zeit voll akzeptiert. „Was hast Du gefunden?“ fragte sie den jungen Mann, der immer noch mit einem breiten Grinsen zu ihr heraus sah. „Komm runter und seh es Dir selbst an“, das Grinsen schien förmlich in seinem Gesicht festgefroren zu sein. Andrea sah ihn neugierig an und stieg dann in die Grube hinunter. Sie kniete sich neben den jungen Studenten und ließ sich den Fund zeigen. Unter der Sandschicht schimmerten einige Knochenreste hervor. Mit einem Pinsel entfernte Andrea vorsichtig den Sand von einem der Knochen. Langsam kam ein Schädel zum Vorschein. „Na, was sagst Du dazu?“ fragte der Student. Die Archäologin antwortete nicht gleich. Immer deutlicher waren nun die Konturen eines menschlichen Schädels zu sehen. „Das ist fantastisch.“ Sie legte den Pinsel kurz zur Seite und sah sich in der Grube um. Auch an anderen Stellen schimmerten helle Stellen durch den Sand, unter dem scheinbar noch mehr Knochen verborgen lagen. „Ich denke, wir sollten den anderen Bescheid sagen. Kannst du Dr. Friedman holen, er sollte sich das auch einmal ansehen.“ Der junge Student nickte und stieg dann aus der Grube um den Hauptleiter der Grabung zu holen.
Nach einigen Minuten, in denen Andrea den Schädel fast freigelegt hatte, kam Dr. Friedman. Nachdem er zu seiner Kollegin hinunter gestiegen war, sah sich der ältere Archäologe sorgfältig in der Grube um. „Was glaubst Du, ist es ein Grab?“ fragte Andrea nach einer Weile. Friedman zuckte mit den Schultern. „Schwer zu sagen, so auf die Schnelle“, auch er nahm sich einen Pinsel und entfernte den Sand von einem der anderen Knochenreste. Diesmal war es ein länglicher und Friedman tippte im ersten Moment auf einen Oberschenkel. „Die Knochen liegen ziemlich durcheinander.“ Er ließ von dem Knochen, an dem er gerade gearbeitet hatte ab und nahm sich einen weiteren vor. Auch Andrea begann nun an einer anderen Stelle weiterzuarbeiten. Langsam kamen an verschiedenen Stellen menschliche Knochen zum Vorschein. Sie lagen vollkommen durcheinander und nachdem sie einige freigelegt hatten, kamen beide Archäologen zu der Überzeugung, dass hier die Überreste von mehr als nur einem Menschen lagen.

Langsam öffnete Juan die Augen. Sämtliche Knochen schmerzten ihn und an seinem Kopf fühlte er eine dicke Beule. Offensichtlich musste Juan einige Stunden bewusstlos gewesen sein, denn inzwischen war es Nacht geworden. Immer noch etwas benommen tastete er nach seiner Taschenlampe, doch scheinbar hatte er sie bei seinem Sturz verloren. „Verdammt“, fluchte er. Vorsichtig setzte er sich auf. Um ihn herum waren die typischen Geräusche des Dschungels zu hören. Weit oben in den Bäumen schrieen einige Affen und von überall her hörte er die verschiedensten Vögel. Im einiger Entfernung nahm Juan ein beunruhigendes Geräusch wahr. Es war das Rasseln einer Klapperschlange. Ganz ruhig blieb er sitzen und versuchte auf das Rasseln zu achten, doch er konnte es nicht mehr hören. Juan fühlte sich mehr als unbehaglich und überlegte, was er nun tun könnte. Da er seine Taschenlampe verloren hatte, blieb ihm jedoch nicht sehr viel mehr übrig, als auf den Morgen zu warten.
Obwohl Juan versucht hatte wach zu bleiben, war er irgendwann eingeschlafen. Als er wieder aufwachte war es bereits hell und der junge Mann sah sich erst einmal seine nähere Umgebung an. Das steinerne Gesicht des Regengottes war nicht zu sehen und auch sonst hatte er nicht das Gefühl am Vortag an dieser Stelle vorbei gekommen zu sein. Etwas genauer untersuchte er die Stelle, an der er aufgewacht war. Scheinbar hatte er bei dem Sturz nicht nur seine Taschenlampe, sondern auch den Großteil seiner restlichen Ausrüstung verloren. Außer seinem langen Buschmesser und seiner Wasserflasche, die beide an seinem Gürtelbefestigt waren, konnte er nichts von seinen Sachen mehr finden. Vergeblich versuchte Juan den Stand der Sonne auszumachen, doch die dichten Baumkronen nahmen ihm die Sicht. Ohne wirklich zu wissen welche Richtung er einschlagen sollte, ging er los.
Juan war bereits über eine Stunde unterwegs, ohne dass ihm auch nur irgendetwas bekannt vorkam. Als er wieder eine kleine Pause einlegte und einen Schluck Wasser zu sich nehmen wollte, bemerkte er, dass die Flasche leer war. Der junge Mann war beunruhigt und befürchtete immer mehr, dass er sich im Urwald verlaufen hatte. Nur zu gut wusste er, wie viele Menschen sich schon im Dschungel verlaufen hatten und nie wieder aufgetaucht waren. „Na ganz toll, kein Wasser mehr und keinen Plan wo ich bin“, Juan versuchte sich mit Selbstgesprächen zu beruhigen. „Wenn ich nicht bald etwas finde, woran ich mich orientieren kann, kann ich mich gleich begraben.“ Gerade als er weiter gehen wollte, hörte er weit entfernte Stimmen. „Hallo ….. hallo“, rief er so laut er konnte, bekam aber keine Antwort. Obwohl die Stimmen nicht mehr zu hören waren, entschied Juan in die Richtung weiterzugehen, in der er die Stimmen vermutete.

Schon sehr früh am Morgen hatte Andrea damit begonnen, die Lage der Knochen in Grube E4 aufzuzeichnen. Sie saß mit einem Block Millimeterpapier auf dem Rand der Grube und war in ihre Arbeit vertiefet, als Marc, der junge Student, der die Knochen entdeckt hatte sich neben sie setzte. „Guten Morgen“, begrüßte er sie freundlich und hielt ihr eine Tasse heißen Kaffee entgegen. Dankbar nahm sie die Tasse. „Guten Morgen“, sagte sie ebenfalls, nachdem sie zuerst etwas Kaffee getrunken hatte. „Sieht irgendwie nicht wirklich wie ein Grab aus.“ Marc sah sich nachdenklich die Lage der Knochen an. Interessiert schaute Andrea ihn an. „Was meinst Du wie es aussieht?“ „Ich weiß es nicht genau, aber irgendwie sieht es so aus, als hätte man hier einfach wahllos Knochen hineingeworfen.“ Er machte eine kleine Pause, bevor er weitersprach. „Wie eine Müllgrube für Menschenreste“, er bemühte sich es wie einen Scherz klingen zu lassen. „Müllgrube für Menschenreste“, wiederholte Andrea und sprang plötzlich auf. „Du hast mich da gerade auf eine Idee gebracht“, sagte sie zu Marc und verschwand mit schnellen Schritten in einem der Zelte, in denen die Fundstücke katalogisiert und untersucht wurden.
Dr. Friedman säuberte ein kleines Gefäß und bewunderte immer wieder die reichliche Verzierung, die unter der verkrusteten Sandschicht zum Vorschein kam. Als Andrea das Zelt betrat unterbrach er seine Arbeit. „Ich muss Dich mal etwas fragen“, begann die Archäologin. „Marc, der Student, der gestern die Knochen in Grube E4 entdeckt hat, sagte eben etwas sehr interessantes.“ Aufmerksam sah Friedman seine Kollegin an, die nach der richtigen Formulierung suchte. „Er meinte, das ganze sieht aus, wie eine Müllgrube für Menschenreste.“ Der Grabungsleiter zog eine Augenbraue hoch und schaute sie skeptisch an. „Müllgrube“, wiederholte er fragend. Andrea suchte noch immer nach den richtigen Worten. „Ja, Müllgrube. Ich weiß, das klingt unglaubwürdig, aber überleg doch mal, wie oft haben wir uns schon gefragt, was mit all den Geopferten passiert ist. Wo man sie begraben hat. In den Gebeinhäusern sind schließlich nicht alle Leichname der geopferten gebracht worden. Dafür sind es zu wenige. Es ist schließlich überliefert, dass manchmal Tausende bei einer Zeremonie geopfert wurden. Vielleicht haben wir hier so etwas wie ein Massengrab entdeckt. Den Platz, wo man die Überreste der Geopferten begraben hat.“ Erwartungsvoll sah Andrea ihren älteren Kollegen an. Friedman saß für eine kurze Weile schweigend da und hatte den Blick ins Leere gerichtet. „Hm“, war das erste was er sagte und man konnte spüren, dass er immer noch über Andreas Theorie nachdachte. „Sagen wir mal so…“, fuhr er zögerlich fort. „…die Idee ist gar nicht mal so abwegig, wenn man etwas darüber nachdenkt.“ Wieder legte er eine kleine Pause ein. „Wir sollten die Grube etwas ausdehnen und auch die anderen Gruben in der Nähe gezielt nach Knochenfunden absuchen. Wenn Du Recht hast, wäre das eine Sensation.“ Das Gespräch der beiden Archäologen wurde von einer jungen Frau unterbrochen, die ins Zelt kam. Sandra war eine der Grabungshelferin und wie viele andere auf der Ausgrabung ebenfalls Studentin. „Entschuldigung, ich bin auf der Suche nach Juan Sanchez, haben sie ihn zufällig gesehen. Im Gegensatz zu Dr. Friedman wusste Andrea von wem die Rede war. Der ältere Archäologe hatte kein gutes Namensgedächtnis und auch sonst eher wenig Kontakt zu seinen Grabungshelfern. Andrea schüttelte kurz den Kopf. „Tut mir leid, ich habe ihn heute noch nicht gesehen.“ Sandra sah etwas beunruhigt aus. „Er ist doch gestern losgegangen um in der Umgebung nach weiteren Überesten zu suchen und bisher habe ich noch keinen getroffen, der ihn seit dem gesehen hat.“

Juan traute seinen Augen nicht. Er war in die Richtung weitergelaufen, aus der er die Stimmen gehört hatte und war dort auf eine Straße getroffen. Zwar konnte er sich nicht erinnern auf eine der Karten, die er von der Umgebung von Teotihuacan studiert hatte eine solche Straße gesehen zu haben, aber er war dankbar. Straßen mussten schließlich irgendwo enden und diese Straße endete in einer Stadt. Einer Stadt mitten im Urwald. Juan hatte sich hinter einem Gebüsch versteckt und beobachtete ungläubig was er sah.
Vor ihm lag eine aztekische Stadt, doch es waren keine Ruinen. Die Gebäude waren vollkommen intakt und bunt bemalt. Die meisten der Gebäude strahlten in leuchtenden Farben und waren reichlich verziert. Doch was ihn am meisten in Erstaunen versetzte war die Tatsache, das die Stadt bevölkert war. Es war eine lebendige aztekische Stadt, die offensichtlich auch von Azteken bevölkert war. Juan zweifelte für einen Moment an seinem Verstand. „Entweder ich habe mir den Kopf so stark angeschlagen, dass ich Halluzinationen habe, oder ich habe einen vergessenen Aztekenstamm gefunden, der bis heute überlebt hat. Ich kann’s nicht glauben“, er musste es einfach aussprechen, als ob er sich damit selbst bestätigen wollte, was er sah. Juan blieb eine ganze Weile in seinem Versteck und beobachtete fasziniert das hektische Treiben in der Stadt. Von seinem Standort aus konnte er eine breite Straße sehen. Einige der Azteken, die nur mit einem Lendenschurz und einem einfachen Riemen um den Kopf bekleidet waren, steckten Fackeln in den Boden zu beiden Seiten der Straße. Kleinere Pyramiden standen am Rand der Straße und am Ende war eine große Pyramide auf deren Spitze ein Tempel stand. Vor den Häusern und auch in den Straßen herrschte anscheinend eine ausgelassene Stimmung und Juan vermutete, dass sie ein Fest vorbereiteten. Juan hielt es in seinem Versteck nicht mehr aus. Er wollte sich die Stadt aus der Nähe ansehen, die lebendige Aztekenstadt selbst erleben. Das einzige was ihn daran hinderte sofort loszugehen war seine Kleidung. In seiner modernen Kleidung würde er auffallen. Noch während er überlegte, wie er an passende Kleidung kommen könnte, ergab sich eine Lösung für sein Problem. Nicht weit von seinem Versteck tauchte plötzlich ein riesiger Zug nackter Junger Männer auf. Es waren Hunderte und Juan entschied, sich dieser Gruppe anzuschließen. Er bezweifelte, dass sich ihm eine bessere Chance bieten würde. Schnell zog er seine Sachen aus und versteckte sie im Gebüsch. Das einzige, was er nicht abnahm war ein Ring, den sein Vater ihm zum achtzehnten Geburtstag geschenkt hatte. Es war ein Erbstück seiner Familie. Ein schwerer, silberner Ring, mit einer auffälligen Verzierung und einem eingelassenen Opal, der in der Mitte ein silbernes Kreuz trug.
Er wartete bis die Gruppe der jungen Männer dicht an seinem Versteck vorbei kam und schlich sich durch die Büsche heran. In einem Augenblick den er für günstig hielt, kam er schnell aus dem Gebüsch heraus und schloss sich der Gruppe an. Einer der jungen Männer, die am Rand liefen sah ihn überrascht an, aber dann beachtete er ihn nicht weiter. Aufgeregt lief er neben den aztekischen Männern, bemüht sich nicht zu verraten. Obwohl er die alte Sprache der Azteken, die man Nahuatl nennt, gelernt hatte, verstand er kein einziges Wort von dem was die Männer miteinander sprachen.
Als sie den Eingang der Stadt erreicht hatten, hielt die Gruppe an. Von seiner Position aus konnte Juan nicht ausmachen, warum man angehalten hatte, doch dann kamen plötzlich junge und auch alte Frauen in die Gruppe hinein. Sie legten den nackten Männern bunte, reichlich verzierte Umhänge um die Schultern und setzten ihnen bunte Federbänder auf den Kopf. Auch er wurde von einer der älteren Frauen auf diese Weise geschmückt. Die Frau lachte ihn freundlich an. Eine andere Frau lief mit einem großen Krug durch die Gruppe und gab den jungen Männern etwas zu trinken. Obwohl er nicht wusste was für ein Getränk sich in dem Krug befand, nahm er einen großen Schluck. Immerhin hatte er seit dem frühen Morgen nichts mehr getrunken und er hatte eine extrem trockene Kehle. Der Inhalt schmeckte zuerst etwas süßlich und auch fruchtig, doch dann schmeckte Juan deutlich Alkohol raus. Da er seit dem Vortag nichts mehr gegessen hatte, spürte er gleich die Wirkung des Alkohols. Als eine weitere Frau mit einem Krug vorbeikam, nahm er wieder einen Schluck und fühlte sich immer besser. Weitere Frauen kamen hinzu und brachten den Männern kleine Schüsseln, gefüllt mit einem Maisbrei. Da Juan seit dem Vortag nichts mehr gegessen hatte und der Alkohol inzwischen seine Wirkung tat, ließ er sich eine zweite Schüssel geben, nachdem er die erste aufgegessen hatte. Zu seiner großen Überraschung schmeckte ihm der Maisbrei sogar und als eine junge Frau ihm eine weitere Kelle entgegenhielt, ließ er sich die Schüssel gerne noch einmal füllen.

Der Suchtrupp, den Andrea und Sandra auf die Beine gestellt hatten machte sich auf den Weg um Juan Sanchez zu suchen. Andrea hatte die junge Studentin gefragt, warum Juan überhaupt allein unterwegs war. Allen war bewusst, wie leicht man sich im Dschungel verlaufen konnte und allen war auch die Gefahr bewusst, die damit verbunden war.
Während Andrea auf die Rückkehr des Suchtrupps warten musste, wollte sie in Grube E4 weiterarbeiten. Dr. Friedman hatte inzwischen begonnen die Grube um ein kleines Stück zu erweitern. Vorsichtig wurden die Sandschichten abgetragen und der Sand sorgfältig nach möglichen Funden durchsucht. Bis sie am Boden ankommen würden, dauerte es noch eine Weile und Andrea ging zu einer der anderen Gruben hinüber. Bisher hatte man noch keine weiteren Knochenreste gefunden, jedoch war man in Grube E4 bereits in eine frühere Schicht angelangt als bei den anderen Gruben. Die Archäologin erkundigte sich bei dem Grabungshelfer, der in der Grube beschäftigt war, ob es irgendwelche interessanten Funde gegeben hätte, aber der junge Mann verneinte die Frage. Andrea wollte gerade zum Zelt gehen und sich etwas zu trinken holen, als Dr. Friedman nach ihr rief. „Andrea, schnell komm rüber, ich glaube wir haben was.“ Als sie bei ihrem Kollegen angekommen war, konnte sie schon von oben die typischen hellen Stellen sehen, an denen weitere Knochen unter dem Sand verborgen lagen. Marc, der junge Student, der die Entdeckung am Vortag gemacht hatte stand neben Dr. Friedman in der Grube. Andrea lächelte ihn an. „So wie es aussieht, scheint deine Theorie von heute Morgen nicht ganz so abwegig zu sein.“ Leicht verlegen lächelte er zurück.
Am späten Nachmittag hatten sie über dreißig Knochen von verschiedenen Menschen lokalisiert und ihre Lage genau aufgezeichnet. Andrea und auch Friedman waren von dem Fund ziemlich begeistert.
Sandra hatte den ganzen Tag über nichts tun können. Sie machte sich noch immer große Sorgen um Juan. Am Vortag hatte sie noch auf ihn eingeredet nicht alleine in den Dschungel zu gehen, aber da Juan ihr fest versprochen hatte sich nicht zu weit von der Ausgrabungsstelle zu entfernen, war sie etwas beruhigter gewesen. Sie hatte sich gleich zu Anfang der Grabung mit dem jungen Mann angefreundet. Er war immer freundlich und aufgeschlossen, doch am allerwichtigsten war für sie seine Ehrlichkeit. Allerdings hatte er auch Eigenschaften, die Sandra nicht so sehr an ihm schätzte, seine Leichtfertigkeit und seine Risikobereitschaft.
Es war inzwischen früher Abend und die Arbeiten auf der Grabung waren für diesen Tag so langsam beendet. Nur Dr. Friedman und Andrea hatten sich eine große Lampe an die Grube bringen lassen und übertrugen noch immer die verschiedenen Lagen der Knochen auf Millimeterpapier.
Als der Suchtrupp aus dem Dschungel zurück kam, beendeten auch sie ihre Arbeit und gingen hinüber zu der Gruppe, wo auch Sandra schon wartete. Andrea schaute sich suchend um, aber sie konnte Juan nirgends bei den anderen entdecken. Als sie die Gruppe erreicht hatten, ging die Archäologin direkt zu dem Leiter der Suchaktion. Es war ein junger Mexikaner, der als freiwilliger Helfer bei der Grabung arbeitete. Das Dorf aus dem er kam lag nicht weit entfernt mitten im Urwald und der junge Mann kannte die Gegend besser als jeder andere von ihnen. Bevor Andrea ihn nach Juan fragen konnte, hatte Sandra dies bereits getan. „Tut mir leid“, begann er zögernd. „Wir haben nicht allzu weit von hier seine Taschenlampe und ein paar andere Sachen gefunden. Auch seinen Kompass. An der Stelle, wo wir die Sachen gefunden haben, ist übrigens auch eine riesige Steinfigur, die Tlaloc zeigt“, erwähnte er nebenbei und bemerkte, wie die beiden Archäologen aufhorchten. Jedoch hatte im Moment der vermisste Grabungshelfer Vorrang. Der junge Mexikaner berichtete noch, dass sie auch die weitere Umgebung abgesucht hätten, aber dass sich die Spuren von Juan an der Statue verloren.
Sandras schlimmste Befürchtungen hatten sich bestätigt und sie hoffte, dass doch noch ein Wunder geschah und Juan heil und gesund wieder auftauchen würde.

Es war inzwischen Abend geworden und Juan hatte sich von der ausgelassenen Stimmung, die unter den Männern herrschte anstecken lassen. Gelegentlich verstand er das eine oder andere Wort, aber er konnte keinen wirklichen Zusammenhang erkennen. Den ganzen Tag über waren die Frauen mit Krügen und Essen zu ihnen gekommen. Außer dem Maisbrei hatten sie Früchte und Brot gebracht. Aus der Stadt war seit einiger Zeit ein rhythmisches Trommeln zu hören. Zuerst klang es etwas eintönig, doch es stimmten immer mehr Trommeln mit ein und so entwickelte sich eine Melodie, die Juan fast schon im Körper spüren konnte. Einige der Männer, die um ihn herum waren begannen an zu tanzen und auch er konnte sich diesem Drang nicht lange widersetzen. Wieder kamen Frauen, die ihnen Krüge mit dem berauschenden Getränk brachten. Ohne darüber nachzudenken, nahm er mehrmals einen Schluck. Die Wirkung von Alkohol war Juan nicht fremd und da er inzwischen auch reichlich gegessen hatte, verwunderte ihn sein schneller Rauschzustand im ersten Augenblick. Doch schon nach kurzer Zeit machte er sich darüber keine Gedanken mehr. Hin und wieder meldete sich sein Verstand noch und ihm wurde langsam bewusst, was er für ein Getränk er zu sich genommen hatte. Es war ein aztekisches Nationalgetränk, doch so sehr er sich auch anstrengte, der Name wollte ihm einfach nicht mehr einfallen. Das einzige, woran er sich erinnerte, war das die Azteken zu gewissen Anlässen auch Drogen in das Getränk taten. Doch was für Anlässe das waren, fiel ihm im Moment auch nicht mehr ein und als wieder ihm wieder ein Krug gereicht wurde, dachte er auch nicht mehr darüber nach. Er fühlte sich einfach nur glücklich und ließ sich wie all die anderen auch einfach nur noch treiben. Die Trommeln wurden immer lauter und nun stimmten auch andere Instrumente mit ein. Flöten gaben der Melodie einen weichen und melodischen Klang und immer mehr Männer fingen an ekstatisch zu tanzen. Langsam, kaum merklich setzte sich der Zug der jungen Männer wieder in Bewegung. Sie betraten die breite Straße, die mit Fackeln und bunten Fahnen geschmückt war. An den Straßenrändern standen Frauen, Männer und Kinder und sie alle jubelten der Gruppe zu. Juan fühlte sich inzwischen nicht mehr als Fremder, er gehörte einfach dazu und ließ den Jubel der Menschen auf sich wirken. Immer wieder wurden ihnen von den Leuten am Straßenrand Krüge gereicht und auch Juan griff gerne immer wieder zu.
Auf den kleineren Pyramiden, die zu beiden Seiten der Straße standen, hatte man Statuen aufgestellt und geschmückt. Sie stellten aztekische Götter dar. Die Gruppe war nun schon weit in die Stadt hinein gegangen und Juan konnte nun die große Pyramide mit dem Tempel auf der Spitze sehen. Ehrfürchtig starrte er einen Moment in die Richtung des Tempels, doch als der junge Azteke neben ihm an seinem Arm rüttelte und ihm zum wiederholten Male einen Krug reichte, ließ sich Juan wieder treiben und genoss nur noch die Atmosphäre um sich herum. Es war wie ein riesiges Volksfest, an dem die ganze Stadt teilnahm. Männer und Frauen jeden Alters und auch Kinder liefen jubelnd durch die Straßen. Immer weiter kamen sie in die Stadt hinein und Juan war wie all die anderen jungen Männer der Gruppe in einem euphorischen Zustand. Er fühlte sich einfach nur glücklich und hätte beim besten Willen nicht sagen können, warum. Doch zum Glück musste Juan auch nicht reden, den durch den Alkohol und die Drogen im Getränk bekam er nur noch klägliche unverständliche Laute heraus, aber zumindest schien das eine Sprache zu sein, die nun alle der Männer gemeinsam hatten. Er achtete nicht auf das Geschehen um sich herum, er tanzte, trank und dachte an nichts mehr. Juan hatte in diesem Moment einfach alles vergessen. Nichts zählte mehr für ihn. Nichts außer dem Moment, dem Zusammensein mit den anderen Azteken. Er fühlte sich nun endgültig als einer der ihren.
Als er nach einer unbestimmbaren Zeit am Fuße der großen Pyramide angekommen war, schaute er ehrfürchtig nach oben. Sein Blick war verschwommen, aber er erkannte die vielen Fackeln, die die Treppe beleuchteten und die für ihn in diesem Augenblick wie eine Treppe in den nächtlichen Sternenhimmel aussah. Auch aztekische Krieger in voller Rüstung standen auf der Treppe. Die Reihen der Männer vor ihm betraten langsam die ersten Stufen und Juan folgte ihnen ohne groß darüber nachzudenken. Je höher er die steilen Stufen der Pyramide hinauf stieg, umso mehr beeindruckte ihn der Ausblick, wenn er auf die Stadt sah, die nun durch die unzähligen Fackeln und großen Feuerstellen in feurigen Farben leuchtete. Juan hörte die jubelnde Menge und hatte das Gefühl, als würden sie alle nur ihm zujubeln, er jeglichen Bezug zur Realität verloren.
Immer höher war er die Treppe hinauf gestiegen. Er schaute sich die Krieger an, die in ihrer vollen Rüstung da standen und ihm zulachten. Einige von ihnen schienen ihm etwas zuzurufen, doch die Stimmen gingen in dem Klang der immer lauter werdenden Trommeln unter.
Das was vor ihm geschah nahm Juan nicht wahr. Er achtete nicht mehr auf das Geschehen um sich herum. In seinem Kopf drehte sich alles und er war nicht mehr fähig zu denken oder auch nur zu verstehen was um ihn herum geschah. Als er die letzten Stufen erreicht hatte, war er fast dankbar, als zwei Männer in bunten Federumhängen und mit prächtigem Federkopfschmuck zu ihm kamen und ihn an den Armen packten. Sie begleiteten ihn zu einem großen Steinquader, der vor dem Tempeleingang stand. Hinter dem Steinquader stand ein weiterer Mann in noch viel prächtigeren Kleidern. Unaufhörlich sprach er in einem Singsang immer wieder die gleichen Worte, die Juan in den Kopf drangen und ihn fast hypnotisierten. Neben dem Mann tauchten noch zwei Männer auf, die nun auf ihn zukamen und den beiden anderen dabei halfen Juan auf den Steinquader zu legen. Anschließend stellten sie sich um ihn herum. Auf ein bestimmtes Zeichen des Mannes in der Mitte, ergriffen die vier Juans Arme und Beine, hielten ihn fest, so dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Er fühlte den festen Griff der Männer um seine Glieder, doch die Drogen und der Alkohol verhinderten, dass er verstand was mit ihm geschah. Der Priester sprach dasselbe Gebet, dass er auch bei all den anderen, die vor Juan auf dem Altar lagen, gesprochen hatte. Mit lauten Worten verkündete er dem Gott Huitzilopochli, das ein weiterer stolzer Krieger sein Blut opfert, damit die Sonne auch in Zukunft wieder aufersteht und ihre Bahnen am Himmel ziehen kann. Er pries den Gott und dankte ihm für das Opfer, das auch Huitzilopochli einst für die Azteken gegeben hatte und noch während er die letzten Worte sprach, hob er seinen Arm. In der Hand hielt er einen Dolch aus schwarzem Obsidian, der eine mosaikverzierte Darstellung eines Jaguars als Griff hatte. Kraftvoll ließ der Priester seinen Arm niedersausen, direkt in Juans Brust.
Der junge Mann hatte den Dolch auf sich zukommen sehen, doch er spürte nichts, keinen Einstich und auch keinen Schmerz. Gekonnt und ohne abzusetzen schnitt der Priester Juans Herz aus der Brust. Er hielt das blutende, noch immer zuckende Herz in die Höhe und während die Menge wieder in laute Jubelschreie ausbrach, sprach der Priester ein weiteres Gebet an den Gott. Anschließend legte er Juans Herz in eine riesige Opferschale, die auf einem Chacmol stand. Eine Figur, die in fast liegender Position aufgestellt war und die auf ihrem Bauch die Opferschale trug. Zahllose andere Herzen befanden sich bereits darin, als der Priester auch Juans Herz hinein warf. Die vier Männer, die Juan festgehalten hatten, nahmen seinen toten Körper und warfen ihn seitlich die Stufen der Pyramide hinunter.

Die Ausgrabung ging gut voran. In den letzten Wochen hatten sie auch in den anderen Gruben menschliche Knochen gefunden und sie waren inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass sie tatsächlich ein Massengrab entdeckt hatten. Die Körper der hier begrabenen lagen über und untereinander. Es war schwer den jeweiligen Skeletten die richtigen Knochen zuzuordnen, so durcheinander lagen sie. Dr. Friedman hatte eine erste wage Schätzung gemacht und vermutete, dass weit über 2000 Menschen an diesem Ort begraben worden sind. Doch eine genaue Schätzung ließ sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht machen.
Andrea legte zusammen mit Sandra in einer der bereits katalogisierten Gruben einige Knochen frei. Sie wollten versuchen herauszufinden, ob man die Toten auf eine bestimmte Art in das Grab gelegt hatte, oder ob sie tatsächlich nur wahllos hinein geworfen hatte.
Obwohl Sandra noch immer oft an Juan dachte, hatte sie ihre Arbeit wieder aufgenommen und widmete sich nun mit vollem Eifer ihrer Aufgabe. Mit einem Pinsel entfernte sie vorsichtig den Sand von einem Knochen, der sich als Teil einer Hand entpuppte. Als sie plötzlich etwas glänzendes unter dem Sand entdeckte, stieß sie Andrea kurz an. „Hier ist etwas, das nicht aussieht wie ein Knochen. Ich glaube es ist ein Ring.“ Sagte sie zu der Archäologin, die sich sofort zu ihr umdrehte und selbst begann den restlichen Sand von dem Knochen zu entfernen.
Nach wenigen Augenblicken hatten sie die Überreste einer Hand freigelegt, die einen Ring trug. Andrea rief einen Grabungshelfer heran, der gerade vorbei lief und bat ihn etwas von der speziellen Chemikalie aus dem Zelt zu holen, damit sie den Ring vorsichtig reinigen konnte. Es dauerte nicht lange und der junge Mann hatte ihr das gewünschte Fläschchen gebracht. Mit Wattestäbchen reinigte Andrea ganz vorsichtig das alte Schmuckstück. Schon nach kurzer Zeit erkannte sie, dass es sich um einen silbernen Ring handelte. Im ersten Moment überraschte sie der Fund, da Silber nicht gerade zu den bevorzugten Metallen der Azteken gehörte. Doch als sie den Ring fast vollständig gereinigt hatte und sie auch noch eigenartige Verzierungen sowie einen eingelassenen, schwarzen Stein mit einem silbernen Kreuz auf dem Ring entdeckte, konnte sie sich diesen Fund nicht wirklich erklären.
Sandra hatte ihr die ganze Zeit über interessiert zugesehen. Als sie den Ring nun sah, starrte sie ihn entsetzt an. Andrea bemerkte den Blick der jungen Frau. „Sandra, was ist los?“ erkundigte sie sich bei der Studentin, aber sie bekam keine Antwort. Die Archäologin legte ihr leicht die Hand auf die Schulter und versuchte es noch einmal. „Sandra?“ sprach sie sie leise an. „Ist etwas mit Dir?“ Die junge Frau sagte zuerst nichts, zeigte nur auf den Ring. „Das ist Juans“, brachte sie plötzlich heraus. Im ersten Augenblick verstand Andrea nicht was die junge Frau damit meinte, aber als sie sich den Ring noch einmal etwas genauer ansah, erinnerte sie sich daran, genau so einen Ring an Juans Finger gesehne zu haben. Es war ein sehr auffälliger Ring gewesen und Juan hatte ihr erzählt, das es ein Erbstück seiner Familie gewesen sein und er diesen Ring niemals abnahm.
Andrea versuchte die Gedanken, die in ihrem Kopf auftauchten zu verdrängen. Sie waren zu unwahrscheinlich, einfach nicht möglich. Sie blickte wieder zu Sandra und wusste, dass auch sie den gleichen Gedanken hatte und die junge Studentin sprach den Gedanken auch aus. „Ich glaube, wir wissen jetzt was mit Juan geschehen ist.“ Sie streichelte mit den Fingerspitzen über die Knochen, an denen der Finger immer noch steckte. „Das ist einfach unmöglich, das kann gar nicht sein.“ Sagte Andrea, doch an ihrer Stimme konnte man merken, dass auch sie sich nicht wirklich sicher war.
„Wie sagt man doch so schön … es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir uns träumen lassen. Warum nicht auch ein Zeitsprung?“ Sandra sah mit einem traurigen Blick die Archäologin an. Andrea schaute sich um, zog ganz vorsichtig den Ring von dem Knochen ab und gab ihn Sandra. „Das würde uns sowieso niemand glauben und ich bin sicher Juan hätte gewollt, dass eine gute Freundin den Ring bekommt.“ Die junge Studentin hatte Tränen in den Augen. „Danke, ich werde den Ring seinem Vater zurückgeben. Ich werde ihm sagen, wir hätten ihn im Urwald gefunden.“ Andrea nickte. „Das wird das Beste sein.“
In den nächsten Monaten ging die Grabung ohne weitere Zwischenfälle gut voran. Sandra und Andrea waren in dieser Zeit zu guten Freundinnen geworden. Sie hatten vereinbart, ihren Fund und ihre Theorie für immer für sich zu behalten. Niemand würde sie in ihrem Beruf mehr ernst nehmen, wenn sie mit der Geschichte einer Zeitreise aufwarten würden. So eine Geschichte wäre das Ende ihrer beruflichen Karriere gewesen.





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